Film · Filmrezension · Literaturverfilmung

SMS für Dich

Auch nach zwei Jahren ist Clara noch nicht über den Tod ihres Verlobten Ben hinweg. Als Versuch, mit ihrer Trauer besser umgehen zu können beginnt sie, SMS an Bens alte Nummer zu schreiben. Die Nummer wurde jedoch neu vergeben und so landen die Nachrichten  bei Mark und er beginnt, sich in die mysteriöse Unbekannte zu verlieben, die ihm so berührende Texte schreibt.

Meine Gedanken
Vor Jahren habe ich die Buchvorlage von Sofie Cramer zu diesem Film gelesen. Die Erinnerung ist sehr schwach, aber ich wusste noch, dass ich das Buch mochte. Dennoch war ich unschlüssig, ob ich ins Kino gehen sollte, denn der Trailer zu SMS für Dich hat mich nicht so richtig überzeugt. Als ich jedoch erfuhr, dass Karoline Herfurth und Friedrich Mücke im Rahmen der Kinotour nach Stuttgart kommen würden, musste ich mir ein Ticket holen! Ich halte Karoline Herfurth für eine der besten deutschen Schauspielerinnen (insbesondere in Im Winter ein Jahr) und wollte sie unbedingt treffen.
Diese Entscheidung habe ich keine Sekunde bereut. Das Interview mit den beiden war interessant und als ich später meine Autogramme und Selfies abholen war, waren beide sehr nett und zum Plaudern aufgelegt. Auf alle Fälle ein gelungener Mädelsabend!

Der Film selbst hat mich überrascht. Ich hätte nicht erwartet, dass er in jeder Hinsicht so gut ist. An dieser Stelle möchte ich ein riesen Lob an Karoline Herfurth aussprechen für ihr grandioses Regiedebüt.
Das Thema des Films wurde auf ganz berührende Weise umgesetzt. Das Loslassen von Trauer und Zulassen von Neuem ist immer ein schwieriges Thema, kann sich schnell aufgesetzt und falsch anfühlen – nicht so hier. Claras Trauer um Ben, der Schmerz, die Wehmut waren sehr präsent aber nicht erdrückend. Es war auf berührende Weise schön  anzusehen, wie sie sich nach und nach von ihrer Trauer und damit von Ben zu lösen begann und sich dabei selbst wiederfand.

Die Besetzung ist eine großartige Wahl! Karoline Herfurth ist gewohnt authentisch in ihrer Rolle, mit einem feinen Gefühl für die Gefühle ihrer Figur aber auch für Komik. Sie und Friedrich Mücke haben ein bezauberndes Leinwandpaar geschaffen, zwischen dem die Chemie einfach stimmt. Aber erst die Nebenfiguren haben diesen Film zu einer richtig guten deutschen Komödie werden lassen – das heißt richtiges Timing, guter Wortwitz und intelligente Situationskomik. Neben Nora Tschirner und Frederick Lau als die jeweils besten Freunde sorgten vor allem Katja Riemann als Schlagersängerin (irgendwo zwischen Andrea Berg und Helene Fischer) und Enissa Amani als hochemotionale Kollegin für die größten Lacher.

Zum Schluss möchte ich die Musikauswahl im Film noch besonders hervorheben. Passender Weise natürlich etwas kitschig-romantisch, haben die Songs das Gefühl des Films wirklich gut eingefangen und unterstrichen. Beim Abspann auf jeden Fall noch im Kino bleiben und den Schlager Dein sein, gesungen von Katja Riemann persönlich, genießen. (Und mit genießen meine ich so richtig ablachen).

Meine Empfehlung
SMS für Dich ist eine gelungene deutsche Komödie mit wehmütigem aber auch kitschig-romantischem Hintergrund. Am besten sofort die beste Freundin einpacken und dann ab ins Kino!


Länge: 95 min | Regie: Karoline Herfurth | Drehbuch: Andrea Willson, Karoline Herfurth u.a. | Buchvorlage: Sofie Cramer | Seite zum Film

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Buchrezension · Literatur

Julia Engelmann: Eines Tages, Baby

Mit „One Day/Reckoning Text“ wurde die Poetry-Slammerin Julia Engelmann schlagartig berühmt. Eines Tages, Baby ist ihr erstes Buch mit vierzehn weiteren Slam-Texten.

Meine Gedanken
Gedichte sind echt nicht mein Ding. Was ich damit sagen will: Mit Lyrik kann man mich jagen! Versmaße interessieren mich überhaupt nicht, was der Dichter (stopp: das lyrische artikulierende Ich) fühlt ist mir auch ziemlich egal  und spätestens wenn es bis auf den allerletzten Aspekt analysiert wurde möchte ich ein Gedicht nie, nie wieder lesen müssen. Ich finde einfach keinen Zugang zu den Worten, finde mich selbst in dieser Gefühlswelt nicht wider.
Bei Texten von Julia Engelmann ist das anders. Ja, das ist auch Lyrik. Aber eben Lyrik, die von dem Leben erzählt, das ich kenne. Sie schafft es wie niemand sonst das in Worte zu packen, das unsere Generation ausmacht: Der Drang, die Welt zu sehen und alles zu erleben, aber zu faul zu sein, von der Couch aufzustehen. Wie Erwachsene behandelt werden zu wollen, aber selbst noch an der Kindheit hängen. Individuell zu sein, aber trotzdem dazugehören zu wollen. Zum ersten Mal haben mich die Inhalte von lyrischen Texten wirklich angesprochen. In vielen Dingen habe ich mich sofort wieder erkannt, Anspielungen auf Lieblingsbücher wie Harry Potter oder Das Sams haben mich zum Schmunzeln gebracht. Ich habe mir Passagen oder auch ganze Texte angestrichen, die ich unbedingt noch anderen mit auf den Weg geben will – weil sie ausdrücken, was ich fühle, ich aber nie so die Worte dafür gefunden hätte.

Eines Tages, Baby ist für mich mehr als nur eine Ansammlung von Texten, die mir sehr gut gefallen. Durch dieses kleine Büchlein habe ich zum ersten mal wirklich verstanden, was Lyrik will. Vermutlich hat es geholfen, dass niemand mich nach Versmaß und Reimschemata gefragt hat und ich nicht Punkt für Punkt aufzeigen musste, warum ich glaube, dass mit jenem Satz dies oder das ausgedrückt werden soll. Ich konnte die Texte einfach nur lesen und auf meine Art verstehen und es ist total egal, ob ich die einzige bin, die den Text genau so versteht. Weil es einzig und allein darum geht, was ich daraus für mich mitnehme.

Meine Empfehlung
Die Texte von Julia Engelmann fangen perfekt ein, was es heißt, dieser Generation anzugehören. Sie sind von einem Kind der 90er für Kinder der 90er geschrieben. Sicher können auch andere Altersgruppen etwas aus den Texten mitnehmen. Aber ich denke, es hilft, in der gleichen Lebensphase wie Julia Engelmann zu stecken und auf eine ähnliche Kindheit zurückzublicken, um sich hundert prozentig mit den Texten zu identifizieren.


Verlag: Goldmann | ISBN: 978-3-442-48232-0 | Format: Klappenbroschur | Seitenzahl: 96 | Quelle Coverbild: Webseite des Verlags

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Buchrezension · Literatur

Erin Morgenstern: Der Nachtzirkus

Ein Zirkus in schwarz und weiß. Er taucht unerwartet auf und öffnet seine Tore nur bei Nacht. Er ist ein magischer Ort, der seine Besucher verzaubert und staunend zurücklässt. Und er ist der Austragungsort eines uralten Wettkampfes zweier Magier. Celia und Marco sind ihre Spieler, wurden ihr Leben lang auf ihre Rollen vorbereitet. Doch als sie sich ineinander verlieben wird der Ausgang des Wettkampfes zu einer unerträglichen Vorstellung.

Meine Gedanken
Erin Morgenstern entführt den Leser ihres Debütromans in eine zauberhafte Zirkuswelt und lässt diese so greifbar werden, dass man das Gefühl hat mitten drin zu sein. Am besten haben mir daher die Passagen gefallen, in denen ich, der Leser persönlich, als Besucher des Zirkus beschrieben werde. Immer wieder tauchen Kapitel dieser Art als kleine Einschübe auf und bringen einem den Zirkus noch näher. Insgesamt war es in erster Linie das Gefühl, das Der Nachtzirkus mir vermittelt hat, das dieses Buch für mich zu etwas Besonderem gemacht hat. Die Gefühle, mit denen eine gute Zirkusvorstellung einen zurücklassen sollte – vor allem der Zauber und das Staunen – verströmt auch dieser Roman.
Die Handlung springt zwischen verschiedenen Personen und Jahren hin und her und entwickelt sich eher träge. Es herrscht dabei dennoch stets eine unterschwellige Anspannung, denn der Wettkampf nimmt seinen Laufen und man weiß, dass irgendwann etwas passieren wird, etwas passieren muss. Dafür, dass die Handlung nur so langsam voran schreitet und sich die Spannung nur zaghaft aufbaut, erfolgt der Klimax etwas abrupt und für meinen Geschmack zu kurz.
Neben den Hauptfiguren Celia und Marco treten auch einige Nebenfiguren in eigenen Kapiteln in den Vordergrund. So wird Celia und Marco nur wenig Platz eingeräumt, man lernt sie nicht so gut kennen wie ich mir das gewünscht hätte und vor der so plastisch und schillernd ausgestalteten Zirkuswelt wirken sie beinahe schon eindimensional und öde. Viel leichter konnte ich mich statt dessen mit Nebenfiguren wie Bailey oder Friedrick Thiessen identifizieren – Besucher des Zirkusses, die seinen Zauber für mich überhaupt erst so lebendig und greifbar werden ließen.

Meine Empfehlung
Dieser Roman ist für mich ein Besuch im Zirkus zwischen zwei Buchdeckeln.
Wer sich eine spannende Story und einen bitterlichen Wettkampf erhofft wird von diesem Buch enttäuscht sein. Wer jedoch den Zirkus und seinen Zauber liebt wird in diese Welt eintauchen und den Nachtzirkus nie wieder verlassen wollen.


Verlag: Ullstein | ISBN: 978-3-548-28549-8 | Format: Taschenbuch | Seitenzahl: 464 | Originaltitel: The Night Circus | Quelle Coverbild: Webseite des Verlags ullsteinbuchverlage.de

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Buchrezension · Literatur

Jojo Moyes: Ein ganz neues Leben

Die Fortsetzung zu Ein ganzes halbes Jahr.
Es sind anderthalb Jahre seit Wills Tod vergangen. Lou hat es geschafft, die Kleinstadt Stortfold hinter sich zu lassen, aber sie steht sich noch immer selbst im Weg, die Art von Leben zu führen, die sich Will für sie erhofft hatte. Und dann ist da noch immer die Trauer um Will und die Frage, wie sie ohne ihn überhaupt weitermachen soll.

Meine Gedanken
Die Geschichte von Lou und Will hat mich zutiefst bewegt und auch wenn ich von anderen Büchern von Jojo Moyes enttäuscht war, wusste ich, dass ich die Fortsetzung unbedingt lesen muss. Erst als ich Ein ganz neues Leben zum ersten Mal aufschlug, fragte ich mich kurz, ob ich überhaupt bereit sei für die Geschichte, die da auf mich wartete. Schon nach wenigen Minuten wurde mir klar: Absolut nichts hätte mich darauf vorbereiten können, dass ich Will so sehr vermisste! Und noch viel weniger war ich auf das vorbereitet, das dann kam.
Aber der Reihe nach:
Von der ersten Seite an war ich zurück in der Geschichte, war ganz bei Lou. Beruhigender Weise hatte Lou nicht plötzlich ein tolles aufregendes Leben, nur weil Will sie etwas aus ihrem Schneckenhaus locken konnte. Solche Veränderungen brauchen Zeit und der Punkt, an dem Lou nach anderthalb Jahren steht scheint mir ein sehr realistischer zu sein.
Dabei fehlte Will so überdeutlich, dass auch mein Herz mit jeder Seite ein kleines bisschen brach. Es ist wirklich beeindruckend, wie Jojo Moyes es geschafft hat, den Schmerz meist ganz subtil zu übermitteln und dann wieder Momente aufzuzeigen, in denen er heftig und pulsierend ist. Und sie hat es geschafft, mich zu überraschen, der Handlung eine Wendung zu geben, mit der ich niemals gerechnet hätte.
Doch je weiter die Handlung fortschritt, desto mehr verlor sie mich. Vermutlich, weil für meinen Geschmack einfach zu viel passierte.
Es gibt zwei relativ unabhängige Handlungsstränge, die sich um zwei Personen drehen, die neu in Lous Leben getreten sind. Mir hätte es deutlich besser gefallen, hätte Jojo Moyes sich auf einen dieser Handlungsstränge konzentriert, diesen weiter ausgearbeitet und den anderen dafür außen vor gelassen.
Mein Favorit ist dabei ganz klar Lily. Ihre Geschichte hat mich wirklich interessiert und hat sich gut eingefügt in die Gesamtstory, in Lous Heilungsprozess und auch den der Traynors. Ich fand es etwas schade, wie ihr Teil der Geschichte am Ende doch etwas abrupt abgehakt wurde.
Überhaupt ging am Ende irgendwie alles recht schnell und da habe ich meinen Zugang zur Geschichte dann völlig verloren. Letztendlich war ich etwas enttäuscht und was mich am meisten daran stört ist, dass es so vielversprechend begonnen hat.

Meine Empfehlung
Für alle, die sich gefragt haben, wie es für Lou nach Wills Tod weiter geht, lohnt sich ein Blick in Ein ganz neues Leben definitiv. Es ist kein billiger Versuch, an den Erfolg anzuschließen, keine typisch missratene Fortsetzung. Die Geschichte hat wirklich Potenzial, aber leider wurde es nicht optimal umgesetzt.
Alle, die sich Lou nach und ohne Will nicht vorstellen können, sollten die Finger von diesem Buch lassen und die Geschichte der beiden so im Herzen behalten, wie sie in Ein ganzes halbes Jahr endete.


Verlag: Wundelich | ISBN: 978-3-8052-5094-8 | Format: Hardcover | Seitenzahl: 528 | Originaltitel: After You | Quelle Coverbild: Website des Verlags rowohlt.de

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Buchrezension · Literatur

J.K. Rowling: The Tales of Beedle the Bard

Jeder, der Harry Potter kennt, sollte mit dem Titel The Tales of Beedle the Bard (dt.: Die Märchen von Beedle dem Barden) etwas anfangen können oder dringendst Die Heiligtümer des Todes nochmal lesen (oder meinetwegen Teil eins der Verfilmung anschauen).
Dieses Märchenbuch, mit dem nicht nur die Weasleys aufgewachsen sind, ist nicht nur ein fiktives Buch, sondern wurde von J.K. Rowling für uns Muggles veröffentlicht. Es enthält fünf magische Märchen, jeweils gefolgt von ausführlichen Kommentaren von Albus Dumbledore.

Meine Gedanken
Ich kann mir wirklich nicht erklären, warum ich erst jetzt dazu kam, dieses Buch zu lesen…
Die englische Ausgabe, die ich besitze, ist ein wirklich schön gestaltetes Hardcover. Es hat eher Taschenbuchformat und ist sehr dünn, sodass es ganz einfach in jede Tasche passt und man mal eben in Bus und Bahn oder bei anderen Gelegenheiten ein Märchen lesen kann – mich wird es sicher noch öfter begleiten.
Die Märchen sind überraschend typisch – nur, dass eben Hexen und Zauberer die Hauptcharaktere sind: Es gibt magische Zauberkessel, ein Brunnen mit besonderen Kräften, gewitzte Helden, dunkle Antihelden und am Ende meist eine Moral. Dabei sind die Geschichten erfrischend neu und in keiner Weise ein Abklatsch alt bekannter Märchen. The Tale of the Three Brothers (dt.: Das Märchen der drei Brüder) nimmt natürlich eine besondere Rolle ein und vor meinem inneren Auge erschien beim Lesen sofort die Szenen aus der Verfilmung. Auch wenn mir alle Geschichten gut gefallen haben, so hat mich der Gedanke hinter The Fountain of Fair Fortune (dt.: Der Brunnen des wahren Glücks) am meisten angesprochen.
Dombledores Kommentare sind vermutlich nur für Harry Potter-Fans interessant. Für jene, die sich für J.K. Rowlings magische Welt interessieren, sind die Kommentare sehr informativ, aber auch erheiternd (mich haben vor allem die Reaktionen gewisser Zauberer auf einige der Märchen belustigt).

Meine Empfehlung
Für jeden Harry Potter-Fan ein Muss!
Die Märchen sind jedoch auch ohne den Kontext der Harry Potter-Welt lesenswert, erst für Dumbledores Kommentare benötigt man Hintergrundwissen. Wer diese Kommentare ignoriert, hält ein Märchenbuch in den Händen, das ich jedem, der gerne Märchen liest, wärmstens empfehlen kann.


Verlag: Bloomsbury | ISBN: 978-0-74759-987-6 | Format: Hardcover | Seitenzahl: 128 | Deutscher Titel: Die Märchen von Beedle dem Barden | Quelle Coverbild: Website des Verlags

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