Buchrezension · Literatur

Sasha Marianna Salzmann: Außer sich

Sie sind zu zweit, von Anfang an, die Zwillinge Alissa und Anton. In der kleinen Zweizimmerwohnung im Moskau der postsowjetischen Jahre verkrallen sie sich in die Locken des anderen, wenn die Eltern aufeinander losgehen. Später, in der westdeutschen Provinz, streunen sie durch die Flure des Asylheims, stehlen Zigaretten aus den Zimmern fremder Familien und riechen an deren Parfumflaschen. Und noch später, als Alissa schon ihr Mathematikstudium in Berlin geschmissen hat, weil es sie vom Boxtraining abhält, verschwindet Anton spurlos. Irgendwann kommt eine Postkarte aus Istanbul – ohne Text, ohne Absender. In der flirrenden, zerrissenen Stadt am Bosporus und in der eigenen Familiengeschichte macht sich Alissa auf die Suche – nach dem verschollenen Bruder, aber vor allem nach einem Gefühl von Zugehörigkeit jenseits von Vaterland, Muttersprache oder Geschlecht.
(Klappentext des Verlags)

Meine Gedanken

Außer sich ist kein Roman zum Wohlfühlen oder Lesevergnügen. Dafür habe ich es auch nicht in die Hand genommen. Mich hat interessiert, ob und was dieser Roman über Identität, Migration und Kultur erzählt – kurz: ob es sich lohnen könnte, mich mit diesem Werk in meiner Masterarbeit zu beschäftigen. In dieser Hinsicht bekam ich deutlich mehr als erwartet. Bei den meisten Romanen gibt es ein, zwei Aspekte, die sich mir als Untersuchungsgegenstand aufdrängen. Bei Außer sich schwirrt mir noch immer der Kopf voller verschiedener Ideen, Interpretationsansätzen und Möglichkeiten, diese zu kombinieren. Salzmann schafft es, komplexe Themenbereiche wie Identität, Sexualität, Kultur, Migration, Adoleszenz und Generationenkonflikt in einem Roman, einer Familiengeschichte gekonnt zu vereinen. Denn es geht nicht nur um Ali, gezwungener Maßen dreht sich ihre Geschichte immer auch um Anton. Doch darüber hinaus spielt auch die Geschichte der Eltern, der Großeltern und der Urgroßeltern eine Rolle. So entsteht eine Art Familienchronik des Suchens: Suche nach einem Lebenspartner, Suche nach einem besseren Leben, Suche nach sich selbst. Jede Generation ist von ihrer ganz eigenen Suche getrieben.

Die Handlung von Außer sich ist schonungslos. (Vorsicht: leichte Spoiler!) Ohne Kompromisse, geschweige denn Euphemismen, werden die Konflikte und Probleme dreier Generationen beleuchtet. Das persönliche Glück scheint für keine der Figuren möglich zu sein, dafür wird ihr individuelles Unglück nur umso intensiver beschrieben. Die Erzählperspektive wechselt zwischen autodiegetisch und auktorial, jede der Figuren wird bei mindestens drei verschiedenen Namen genannt und so erfordert es ein gewisses Maß an Konzentration, um der Handlung folgen zu können. Zudem ließ mich das Ende nach dem ersten oberflächlichen Lesen etwas ratlos zurück. Mir fiel es stellenweise schwer dran zu bleiben, da mir der Motor der Handlung fehlte. Die Frage, ob Ali ihren Zwillingsbruder findet erzeugt zwar Spannung, wird jedoch durch Erzähleinschübe über die Vergangenheit immer wieder unterbrochen und teilweise in den Hintergrund gedrängt.

Mit den Figuren konnte ich persönlich als Leser wenig anfangen. Ihre Persönlichkeiten sind mir so fremd, dass ich mich nie wirklich identifizieren konnte. Durch die Wechsel zwischen den Generationen, den Zeitabschnitten und den Erzählperspektiven war der Fokus nie lang genug auf einer Figur dran, um sie für mich greifbar werden zu lassen. Doch dieses Spiel, in dem sich die Figuren dem Leser immer wieder entziehen, scheint gewollt. Es unterstreicht nochmal in aller Deutlichkeit die Frage, die Suhrkamp zu einer Art Leitfrage des Romans erhoben hat: Wer sagt dir, wer du bist? Der Leser ist es jedenfalls nicht.

Meine Empfehlung

Ich kann nur nochmal betonen: Außer sich ist kein Roman zum Wohlfühlen oder Lesevergnügen. Mit war er stellenweise regelrecht unangenehm zu lesen, eine Nähe zu den Figuren oder eine anhaltende Spannung wollte sich nicht einstellen. Für mich hat der Roman seine Kraft erst hinterher entwickelt, er lässt einen nicht los und regt zum Nachdenken an. Außer sich präsentiert wichtige soziale, gesellschaftliche und politische Themen mit einer außergewöhnlichen Intensität.


Verlag: Surhkamp | ISBN: 978-3-518-42762-0 | Format: Hardcover | Seitenzahl: 366 | Quelle Coverbild: Webseite des Verlags

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Buchrezension · Literatur

Paul Hawkins: Die Nerven, die Briten!

Die etwas andere Gebrauchsanweisung für ein seltsames Volk – Ein Landsmann packt aus

Paul Hawkins ist Engländer und lebt in Berlin. Als die Briten für den Brexit stimmen, fasst er das als persönlichen Verrat auf und beginnt, an diesem Buch zu schreiben. Keine Eigenart seiner Landsleute lässt er aus, um so dem Rest Europas zu helfen, dieses teilweise etwas skurrile Volk vielleicht besser zu verstehen.

Meine Gedanken

Großbritannien ist das Land, das uns Harry Potter, Sherlock Holmes und Doctor Who beschert hat. Shakespeare, Jane Austen, Jojo Moyes und Matt Haig sind nur eine spontane, kleine Auswahl zahlreicher phänomenaler Autoren von der Insel. Dazu bietet Großbritannien Reisenden wunderschöne Landschaften, beeindruckende Sehenswürdigkeiten und ein angenehmes Klima (ich würde leichten Dauerregen Hitze jederzeit vorziehen). Kurz: Großbritannien hat einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Daher war ich sofort interessiert, als ich im Bloggerportal über Die Nerven, die Briten! gestolpert bin. Ein Brite, der mir auf humorvolle Weise seine Landsleute näherbringt? Perfekt!

Hawkins hat sein Büchlein nach den verschiedensten Lebensbereichen und möglichen Situationen gegliedert und ein ausführliches Register sorgt zusätzlich dafür, dass jede Frage zu britischen Eigenheiten schnell beantworten werden kann. Doch wer eine Reise nach Großbritannien oder vielleicht sogar einen längeren Aufenthalt plant und sich auf den Umgang mit den Landesbewohnern vorbereiten will, ist mit diesem Werk vielleicht nicht am besten bedient. Sein Ärger über den Brexit ist ganz klar Hawkins Motivator für dieses Buch (das schreibt er selbst im Vorwort) und dementsprechend schonungslos führt er seine Landsleute vor. Es braucht nicht viel, um eine Ausführung der skurrilsten Eigenschaften der Briten in ein Gag-Feuerwerk zu verwandeln. Hawkins findet zudem stets die richtigen Worte, um aus einer humorvollen Anekdote ihr komplettes Potenzial herauszuholen. Dabei treibt er seine Ausführungen teilweise derart auf die Spitze, dass man sich stellenweise fragt, ob man in Zukunft nicht lieber einen riesen Bogen um die britischen Inseln und ihre merkwürdigen Einwohner machen sollte. Denn Hawkins erweckt den Eindruck, dass natürlich jeder einzelne Brite absolut alle der ausgeführten seltsamen Eigenschaften in sich vereint und ununterbrochen zur Schau trägt. Was der Autor hier betreibt ist Stereotypisierung auf höchstem Niveau. Wirklich vorwerfen kann ich ihm das nicht, denn genau darin liegt der ganze Spaß.

Dass es sich bei Die Nerven, die Briten! trotz seines Aufbaus in erster Linie nicht wirklich um ein hilfreiches Nachschlagewerk handelt, merkt man schnell, wenn man mehrere Kapitel gelesen hat. Sicher wäre die Kernaussage eines Kapitels auch ohne den Kontext verständlich, doch ständig werden Wortspiele und Anekdoten aus den vorherigen Kapiteln aufgegriffen. Wer also das volle Lesevergnügen ausschöpfen möchte, sollte das Buch brav von vorne bis hinten durchlesen.

Ursprünglich wurde das Buch als zweisprachige Ausgabe angekündigt und ich bin etwas enttäuscht, dass es dabei nicht geblieben ist. Insbesondere mögliche Dialoge mit und zwischen Briten, die Hawkins öfter anführt, um seine Ausführungen zu verdeutlich, hätte ich gerne in der Originalsprache gelesen.

Meine Empfehlung

Unter dem Deckmantel einer „Gebrauchsanweisung“ ist Die Nerven, die Briten! eine bitterböse und dabei humorvolle Abrechnung Hawkins mit den eigenen Landsleuten. Wer Großbritannien kennt und liebt wird vieles natürlich schon kennen und vielleicht sogar in sich selbst wiedererkennen. Denn was Hawkins vergisst zu erwähnen, ist Folgendes: die Briten färben irgendwann ab, wenn man zu lange konsumiert, was sie alles liefern. Wer die Briten ohnehin nie mochte wird selbstgefällig nicken und sagen „Das habe ich mir immer schon gedacht!“. So oder so ist es ein riesen Spaß, Die Nerven, die Briten zu lesen.

Mit seinem Taschenbuchformat und 10 € Ladenpreis ist dieses Buch das perfekte Geschenk für jeden, der Großbritannien liebt und sich bald dorthin auf den Weg macht. Aber dabei bitte den Inhalt des Buches bloß nicht (zu) ernst nehmen!

Vielen Dank an den Goldmann Verlag und das Bloggerportal von Randomhouse für das kostenlose Rezensionsexemplar.


Verlag: Goldmann | ISBN: 978-3-442-17725-7 | Format: Taschenbuch | Seitenzahl: 288 | Quelle Coverbild: Bloggerportal

Buchrezension · Literatur

George Orwell: 1984

London, 1984: Die Welt ist in drei Großmächte gespalten: Ozeanien, Eurasien und Ostasien. Winston Smith lebt in Ozeanien, einem Staat, in dem Die Partei alle Lebensbereiche kontrolliert. Repräsentiert wird sie von dem omnipräsenten Großen Bruder. Teleschirme übermitteln jede Bewegung und jedes Geräusch, „Big Brother is Watching You“! Die Gedanken der Gesellschaft werden bis zur absoluten Kontrolle geformt durch Parolen und durch selektive, manipulierte Nachrichtenübermittlung. Doch obwohl Smith als Mitglied der Partei selbst an derartigen Manipulationen beteiligt ist, sträubt sich sein Verstand dagegen, das eigene Denken aufzugeben und sich einzugliedern.

Meine Gedanken

Anfangs tat ich mir schwer, die in 1984 entworfene Welt zu verstehen. Es waren für den Handlungsverlauf beinahe unwichtige Details, an denen ich mich störte. Wie kann es beispielsweise sein, dass London in Ozeanien liegt? Erst als sich dieses und andere Details für mich geklärt hatten, schaffte ich es, mich auf die Geschichte einzulassen. Vielleicht liegt es daran, dass der Roman erst ab dem zweiten seiner drei Teile wirklich interessant für mich wurde, vielleicht passiert jedoch im ersten Teil tatsächlich zu wenig. Dafür wird es umso spannender, wenn die Strategien der Partei langsam durchschaubarer zu werden scheinen, auch wenn der Leser sie nie in ihrer ganzen Komplexität erfassen kann. Viel interessanter ist sowieso die Frage, ob ein Aufstand möglich sein kann und wer dafür in Frage kommt. In einem Überwachungsstaat trägt jeder nach außen hin eine Maske und so wird keine der Figuren greifbar in dem Sinne, dass sie für den Leser durchschaubar wird.

1984 liest sich nicht nur als spannender Roman, sondern auch als Kritik an der Menschheit und hier liegt seine wahre Stärke. Orwell beschreibt eine Zukunftsvision, deren beschriebene Zeit inzwischen bereits Jahrzehnte zurückliegt. Leicht ist man geneigt, erleichtert aufzuatmen, dass sich die Welt nicht wie hier beschrieben entwickelt hat. Dennoch hat 1984 seine Aktualität nie eingebüßt. Vor allem die subtilen Methoden der Partei, mit der sie die Gesellschaft manipulieren und so ihre Macht sichern, sind zeitlos und funktionieren tagtäglich auch in unserer Welt. Orwell zeigt eindrücklich und gnadenlos die Schwächen der Menschheit auf: Unter anderem den Machthunger einiger, den Gruppenzwang der Masse, und vor allem aber die Bequemlichkeit, seinen eigenen Verstand nicht zu benutzen und den Status Quo zu hinterfragen.

Zuletzt möchte ich noch die außerordentlich gelungene Gestaltung der Neuauflage betonen, erschienen 2017 im Ullstein Taschenbuchverlag. Das schwarz-weiße Cover mit dem Auge in der 8 von 1984 und der schwarze Buchschnitt, fangen in ihrer Schlichtheit wirkungsvoll die Stimmung des Romans ein.

Meine Empfehlung

Dystopien der Überwachung spielen gefühlt in immer mehr Romanen eine Rolle, nicht zuletzt in Marc-Uwe Klings QualityLand. 1984 ist dabei so etwas wie die Mutter dieser literarischen Gattung oder zumindest einer ihrer Ursprünge. Wer sich also für Erzählungen dieser Art interessiert, darf George Orwells Werk auf keinen Fall auslassen. Doch auch generell gilt: 1984 ist aus gutem Grund eines der Jahrhundertwerke des 20. Jahrhunderts und diese werden leider innerhalb und außerhalb des Schulbetriebs viel zu wenig gelesen.

Vielen Dank an die Ullstein Buchverlage für das kostenlose Rezensionsexemplar.


Verlag: Ullstein Buchverlage | ISBN: 978-3-548-23410-6 | Format: Taschenbuch | Seitenzahl: 384 | Originaltitel: 1984| Quelle Coverbild: Webseite des Verlags

Allgemein · Buchrezension · Literatur

Marc-Uwe Kling: QualityLand

In der Zukunft ist alles besser, nein sogar am besten! Denn QualityLand ist das Land der Superlative. Algorithmen und Maschinen unterstützen die Menschen in jeder Hinsicht: beim Arbeiten, Einkaufen, Freizeitgestaltung und bei der Partnersuche. Und da Maschinen keine Fehler machen, ist das die perfekteste Welt. Für Peter Arbeitsloser ist diese Welt nicht ganz so perfekt, immer wieder wird er auf die negativen Aspekte dieser vollkommen digitalisierten Welt gestoßen. Als er dann auch noch ein Produkt erhält, das er nicht will, nur weil es angeblich seinem Profil entspricht, merkt er: Irgendetwas läuft in QualityLand gründlich schief.

Die zwei Editionen

In QualityLand ist alles an das persönliche Profil angepasst: Die Werbung, die einem gezeigt wird, aber auch die Nachrichten, über die man informiert wird, die Produkte, die einem automatisch zugesandt werden und der perfekte Lebenspartner sowieso. Die zwei Editionen spiegeln das wieder: Die helle Edition für Optimisten, die dunkle Edition für Apokalyptiker. Keine Sorge, die Handlung ist in beiden Ausgaben die gleiche! Lediglich Reisetipps, Nachrichten und Werbeanzeigen, die zwischen den Kapiteln eingestreut sind, unterscheiden sich. Für Neugierige gibt es im Buch einen Link, um die abweichenden Seiten der anderen Ausgabe ebenfalls anschauen zu können.

Meine Gedanken

Zukunftsszenarien, die in einer digitalisierten und kontrollierten Welt spielen, sind nicht neu. Neu ist jedoch Klings Ton, in dem er sein Zukunftsszenario erzählt. Er beschreibt sehr humorvolle Alltagsszenarien, die mir als Leserin sehr viel Spaß gemacht haben. Meine Lieblingsidee sind Werke der Weltliteratur, die etwas positiver ausfallen als wir sie kennen: Wer würde nicht lieber Die Freuden des jungen Werther lesen? Die Vorstellung, wie die Bewohner von QualityLand ihr QualityTab („das beste Tablet!“) küssen, um Transaktionen zu bestätigen und ohne ihr Tab völlig hilflos sind, ist im ersten Moment so absurd, dass sie erheitert statt bedrohlich zu wirken. Erst beim Darübernachdenken fällt auf, welche Aussagen über unsere eigenen Angewohnheiten dahinter stecken.

Die Gesellschaft in QualityLand ist in Level unterteilt, die den sozialen und finanziellen Status der Personen repräsentieren sollen. Peter Arbeitsloser ist eigentlich ganz zufrieden mit seinem niedrigen Status, für ihn muss nicht immer alles neu und perfekt sein. Eigentlich möchte er hauptsächlich in Ruhe sein Leben leben. Doch als er sich aufgrund einer Lieferung unfair behandelt fühlt, zieht er einen Michael Kohlhaas-ähnlichen Kampf gegen die Regeln einer Welt, die außer ihm niemand zu hinterfragen scheint. Mir gefällt, dass Peter kein Held ist, der auszieht, um das System zu stürzen. Er ist ein bodenständiger Mann, der sein ganz persönliches und im ersten Moment banal wirkendes Anliegen durchsetzen möchte. In seiner Bescheidenheit und Gerechtigkeitsliebe ist er sowohl sympahtisch, als auch realitätsnah.

Der Plot dreht sich nicht nur um Peter und seinen Kampf, sondern auch eine Präsidentschaftswahl steht im Zentrum der Handlung. Hier liegt für mich der stärkste Gedanke des Romans. Denn der Wahlkampf läuft am Ende auf eine Frage hinaus: Mensch oder Maschine? Für QualityLand gibt es zwei Präsidentschaftskandidaten. Auf der einen Seite ein Androide, der die Defizite des Landes analysieren und in minutenschnelle die perfekte Lösung ermitteln kann. Auf der anderen Seite ein machthungriger Erfolgsunternehmer mit starken rassistischen Tendenzen, der Berichte über seine Aussagen von letzter Woche gerne als Fake News verurteilt. Die Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind ziemlich sicher nicht rein zufällig. Es gibt genug Horrorszenarien in Science-Fiction Filmen, in denen sich eine künstliche Intelligenz gegen die Menschheit richtet, um eine gewissen Skepsis zu schüren, ob es denn schlau wäre, einem Androiden die Macht eines Präsidenten zu geben. Und doch fragt man sich als Leser unwillkürlich, welcher der beiden Kandidaten die schlechtere Alternative wäre.

Meine Empfehlung

Kling schafft es Entwicklungen der Gesellschaft, insbesondere in Bezug auf die Digitalisierung, derart ins Groteske zu steigern, dass ein Zukunftsszenario entsteht, das auf humorvolle Art bestens unterhält und doch zum Nachdenken anregt. QualityLand kann ich jedem empfehlen, der das Gedankenspiel „wo führt uns die Digitalisierung noch hin“ mitmachen möchte, ohne sich von düsteren Horroszenarien gruseln zu lassen.

Vielen Dank an die Ullstein Buchverlage für das kostenlose Rezensionsexemplar.


Verlag: Ullstein Buchverlage | ISBN helle Edition: 9783550050237 | ISBN dunkle Edition: 9783550050152 | Format: Hardcover | Seitenzahl: 384 | Quelle Coverbild: Webseite des Verlags

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Buchrezension · Literatur

Katja Scholtz: Mein Buch [DIY-Buch]

100 Dinge, über die Du schreiben kannst


Mein Buch ist keine Anleitung, wie man der nächste Bestsellerautor wird. Es ist ein Buch zum selber Ausfüllen mit kleinen Aufgaben, die einen zum kreativen Schreiben anregen sollen.

Mein erster Eindruck

Rein zufällig bin ich im Bloggerportal von Randomhouse über dieses Büchlein gestolpert, aber noch nie habe ich so schnell auf den Button geklickt, um ein Rezensionsexemplar anzufragen. Kreatives Schreiben hat mich immer interessiert und es macht mir Spaß, mich selbst darin auszuprobieren. Davon abgesehen, dass die Idee für den großen Roman nie so richtig gezündet hat, weiß ich, dass ich an meinem Schreibstil arbeiten muss. Was mir fehlt ist die Fähigkeit, mich in Personen, die grundsätzlich anders sind als ich, so hineinzuversetzen, dass ich ihre Geschichte glaubhaft erzählen könnte. Auch Beschreibungen der Szenerie fallen mir schwer. Entweder vergesse ich sie in meinem Drang, den Plot voran zu bringen oder es sind die immer gleichen langweiligen Beschreibungen. Die Kurzbeschreibung von Mein Buch klang, als könnten seine kleine Aufgaben mir helfen, neue Ansätze beim Schreiben auszuprobieren.

Mein Buch ist kein Buch, das man mal eben durcharbeitet. Ich werde wohl immer wieder mal darin blättern, bis ich auf eine Aufgabe stoße, die mich in dem Moment reizt. Deshalb kann ich hier wirklich nur meinen ersten Eindruck wiedergeben. Und der ist überaus positiv. Es scheint mir, als hätten Katja Scholtz und der Diana Verlag sich ausgesprochen viel Mühe bei der Konzeption gegeben.
Die Umschlagsgestaltung ist sehr clean gehalten. Hier hätte ich mir vielleicht etwas weniger Gekritzel und dafür den Untertitel „100 Dinge, über die Du schreiben kannst“ gewünscht. Wenn das Buch so im Laden liegt, wird vermutlich den wenigsten gleich klar sein, was es enthält. Mir gefällt, dass sich Mein Buch sehr gut anbietet, es überall hin mitzunehmen. Es hat eine angenehme Größe für die Handtasche, das Hardcover und das Gummiband schützen es vor Knicken und die Falttasche im Einband bietet Platz für lose Zettel mit Ideen. Einer kreativen Auszeit im Café oder Park steht also nichts im Wege. Vielleicht komme ich so auch endlich dazu, meine täglichen 40 Minuten in der S-Bahn sinnvoll zu nutzen.

Das Innere ist liebevoll gestaltet mit abwechslungsreichem Layout, witzigen Illustrationen von Pascal Cloëtta und gepunkteten Hilfslinien für die eigenen Gedankengüsse. Im Durchschnitt hat man für jede Aufgabe 2 Seiten Platz für den eigenen Text, was mir manchmal etwas wenig erscheint. Bevor ich das als Kritik anbringe, muss ich aber erstmal abwarten, wie ich auf Dauer mit den Seiten zurechtkomme, denn bisher hatte ich noch keine Platzprobleme (natürlich kann man die Zeilenvorgabe auch als zusätzliche Herausforderung annehmen).

Passend zur Saison: ein Herbstspaziergang

Die Aufgaben sind völlig unterschiedlich und darin liegt die klare Stärke dieses Buches. Egal ob inspirierend, witzig, herausfordernd oder auch völlig absurd – auf jeder Seite wartet eine neue Überraschung. Mal ist die harmlose Aufgabe, die Gerüche und Farben während eines Herbstspaziergangs zu beschreiben, dann soll man einem Außerirdischen erklären, was Liebe ist oder eine Kontaktanzeige ohne Adjektive schreiben. Auch vor verschiedenen Textsorten machen die Aufgaben nicht halt: Listen erstellen, non-sense Wörter erfinden, Dialoge, Gedichte, Tagebucheinträge, Briefe oder Twitterposts schreiben sind nur die, die mir bisher beim Durchblättern aufgefallen sind. Natürlich immer zu einem vorgegeben Thema, aus Sicht einer bestimmten Person, eines Tieres, oder eines Gegenstandes.
Die einzigen Aufgaben, die mich etwas irritieren, sind die persönlichen. Meine eigene Bucket-List hat meiner Meinung nach nichts in diesem Buch verloren. Aber das Schöne ist ja, dass es keine festen Regeln gibt. Also warum nicht einfach die Aufgabe abändern und überlegen, wie die Bucket-List der eigenen oder einer bereits existierenden Romanfigur aussehen könnte? Der Kreativität sind hier absolut keine Grenzen gesetzt.

Ich kann es kaum erwarten, meine kreativen grauen Zellen anzustrengen, schreibtechnisch mal etwas Neues auszuprobieren und zu beobachten, wie ich davon lerne. Manche Einige der Aufgaben werden mich auf alle Fälle vor eine Herausforderung stellen und auf diese Aufgaben freue ich mich schon am meisten.

Meine Empfehlung

Eine witzige Geschenkidee für jeden, der sich gerne in kreativem Schreiben ausprobieren oder weiterentwickeln möchte.

Vielen Dank an den Diana Verlag und das Bloggerportal von Randomhouse für mein Rezensionsexemplar.


Verlag: Diana Verlag | ISBN: 978-3-453-28545-3 | Format: Hardcover | Seitenzahl: 208 | Quelle Coverbild: Bloggerportal

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