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Wandern im Lechtal: Jöchelspitze

Letzte Woche habe ich schon von meinem Urlaub im Lechtal erzählt, den ich zusammen mit einer Freundin verbracht habe. Um es ruhig anzugehen, war unsere erste Tour „nur“ ein Rundweg über die Holzgauer Hängebrücke. Für den zweiten Tag stand eine Gipfeltour zur Jöchelspitze auf dem Programm, den Abstieg wollten wir über einen Panoramaweg noch weiter ausdehnen.

Tour 2: Jöchelspitze

Unsere Tour begann erstmal mit einer Fahrt mit der Jöchelspitzbahn. Die Fahrt ist wie auch der Wanderbus kostenlos, wenn man die Lechtal Aktiv Card besitz, und die ist bei fast allen Hotels/Pensionen im Zimmerpreis bereits enthalten. Ich bin kein Fan von Sesselbahnen, da ich nie das Gefühl loswerde, dass mir gleich etwas aus dem Rucksack purzelt und in die Tiefe fällt. Aber es hat natürlich klare Vorteile, eine Gipfeltour erst bei 1800 m und nicht im Tal zu beginnen. Die Fahrt kam mir allerdings ungewöhnlich lang vor und führte uns immer tiefer in die Wolkendecke, was nicht gerade zu meiner Entspannung beitrug.

Bei der Bergstation angekommen, standen wir dann wirklich in den Wolken. Wenn man mit genügend Abstand in den Himmel schaut, scheint die Vorstellung, in den Wolken zu stehen, ziemlich fluffig und einladend. So war es nicht. Zwar konnte man ziemlich gut sehen, was sich in umittelbarer Nähe befand, aber  der Blick ins Tal als auch der Richtung Gipfel boten das gleiche Bild: graues Einerlei. Außerdem war es unangenehm nass-kalt und das nächste Mal packe ich definitiv für diesen Fall Nasenspray in meinen Rucksack.

Mit der Hoffnung, dass die Wolken am Gipfel entweder unter uns liegen würden, oder bis dahin aufgestiegen wären, machten wir uns auf den Weg. Zunächst ging es den botanischen Lehrpfad entlang. Hier ist der Weg noch gut begehbarer Schotter und breit genug für zwei Wanderer nebeneinander. Wem die Steigung hier schon zu schaffen macht, kann sich immer wieder auf Bänken ausruhen. Nach bereits ca. 30 -45 min* erreicht man den Lachenkopf und damit das erste Gipfelkreuz.
*(Die Wegweiser streiten sich etwas hinsichtlich der Zeitangaben und ich habe nicht auf die Uhr geschaut).

Lachenkopf

Der Lachenkopf liegt auf 1903 m, von der Bergbahn aus muss man also nur etwa 100 Höhenmeter überwinden. Das Gipfelkreuz liegt etwas abseits der Route zur Jöchelspitze (ein Abstecher von max. 5 min!) und die meisten Wanderer haben an diesem Tag den Lachenkopf ignoriert und strömten direkt dem „richtigen“ Gipfel entgegen. So hatten wir unsere Ruhe, konnten Fotos machen und für ein paar Minuten sogar so etwas wie eine Aussicht genießen, als die Wolkendecke kurz aufbrach. Der Abstecher zum Lachenkopf lohnt sich wegen der Aussicht auf alle Fälle und zeit- und wegtechnisch ist er definitiv nicht der Rede wert.

Zurück auf unserem ursprünglichen Weg Richtung Jöchelspitze, erreichten wir bereits nach 5 min das Bergheu Museum: Eine kleine Hütte,  die zeigen soll, wie das Leben der Bergbauernfamilien früher war. Ein toller Tipp, sollte man vom Regen überrascht werden, ansonsten nicht unbedingt sehenswert.

Ich würde behaupten, dass auch Wandermuffel die Tour bis hier hin gut schaffen können. Danach wurde der Pfad immer schmaler, der Boden immer unbefestigter und die Aussicht immer schlechter. Die Dichte des Nebels erreichte nie den Punkt, dass es auch nur annährend gefährlich hätte werden können. Aber der Blick nach vorn verriet nicht im Geringsten, wie weit der Gipfel noch entfernt war. Was ab einem gewissen Grad der Erschöpfung durchaus hilfreich war, da man sich einreden konnte, dass es sicher nach „der einen Kuppe“ geschafft sei.

Aufstieg im Nebel

Mir persönlich hat Wandern schon immer vor allem dann am meisten Spaß gemacht, wenn es keine befestigten Wege mehr gibt und man sich die trittfesteste Route entlang des Pfads suchen muss. In der Hinsicht kam ich voll auf meine Kosten. Allerdings hatte die feuchte Luft und der Regen in der Nacht vorher den Boden aufgeweicht und stellenweise war es dann doch ruchtschiger als das, was ich noch unter Spaß verstehen würde. Bei Regen zu wandern ist ohnehin nicht empfehlenswert, aber bei dieser Strecke gleich zehnmal nicht.

Nach etlichem Stöhnen erreichten wir dann irgendwann endlich das Gipfelkreuz der Jöchelspitze auf 2226 m. Wir hatten also von der Bahnstation aus über 400 Höhenmeter hinter uns gebracht. Lustig fand ich, dass das Gipfelkreuz großzügig umzeunt und sogar mit einem Holztürchen versehen ist. Das habe ich davor auch noch nie gesehen. Aber ich schätze, wenn man die Tour einem kleinen Kind oder Hund antun will, kann man sie hier sorgenfrei rennen lassen.

Hinsichtlich des nicht vorhandenen Panoramas haben wir auf den Panoramaweg verzichtet. Dieser hätte etwas unterhalb der Jöchelspitze begonnen und in 2,5 – 3 Stunden zur Bernhardseckhütte geführt. Stattdessen machten wir uns direkt an den Abstieg, über den Weg, den wir herauf gekommen waren. Es gibt noch einen zweiten, scheinbar kürzeren Weg, der ebenfalls zur Bergstation führt. Doch wir blieben bei dem Wetter lieber bei dem Weg, den wir einschätzen konnten. An der Bergstation gibt es die Sonnalm, wo wir uns vor der Talfahrt noch eine wohl verdiente Portion Kaiserschmarrn gönnten. Denn mal ehrlich, was ist ein Wanderurlaub ohne Kaiserschmarrn?

Auszeit mit Kaiserschmarrn
Der Lechweg

Über den Lechweg kann ich nicht viel sagen, aber ich möchte ihn kurz erwähnt haben. Er ist 125 km lang und führt vom Formarinsee nach Füssen. Die Strecke lässt sich je nach Kondition in sechs bis acht Tagen bewältigen. Es gibt wohl ein paar steilere Passagen, zum Großteil weist der Weg allerdings leichtes Gefälle auf, so das Infoheft. Es heißt Infoheft, aber es ist ein halbes Infobuch, mit genauen Beschreibungen aller Etappen. Wer den Lechweg begehen möchte, ist damit also bestens vorbereitet. Das Heft kann man kostenlos online bestellen oder in jedem Tourismusbüro mitnehmen.

Das »L« weist den Weg

Unsere Erfahrung mit dem Lechweg beschränkt sich auf unsere Tour über Wasserfall und Hängebrücke und einen kurzen Spaziergang im Regen zur Forachacher Hängebrücke an unserem Abreisetag.

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6 Kommentare zu „Wandern im Lechtal: Jöchelspitze

    1. Guten Morgen Gabriela,

      Oh ja, die Aussicht dort ist sonst wunderschön. Ich musste natürlich gleich googeln, was ich nicht gesehen habe.
      Der Nebel hat auch was, nicht wahr? Am Anfang fand ichs auch noch beeindruckend, weil ich noch nie derart in den Wolken stand. Aber nach paar Stunden hat man sich an der trüben Suppe dann doch satt gesehen xD

      Ganz liebe Grüße
      Sabrina

      Gefällt 1 Person

  1. Hallo :)

    Dein Beitrag macht mir direkt Lust auch mal Wandern zu gehen. Ich hab das ehe schon so lange vor, aber leider bin ich einfach extrem schnell außer Atem. Deine Gefühle bezüglich des Sessellifts teile ich übrigens. Ich habe immer Angst davor, durch die Gitterstäbe zu rutschen…

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo,
      Mach dir wegen der Kondition mal keine Sorgen. Ich bin auch immer gleich außer Atem, aber das macht beim Wandern zum Glück nix. Dann brauche ich eben öfter eine Verschnaufspause und werde überholt. Aber dafür kann ich mich im solchen Momenten umsehen, die Aussicht genießen, Fotos machen. Wichtig ist nur, dass du einschätzen kannst, ob die Kraft noch reicht, später auch den Rückweg noch zu schaffen.

      Ich habe wirklich nie Höhenangst, aber Sessellifte… und dann gibt es Menschen, die machen schon Meter vor der Station den Bügel weg.

      Ganz liebe Grüße
      Sabrina

      Gefällt mir

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