Buchrezension · Literatur

J.P. Monninger: Liebe findet uns

Zusammen mit ihren zwei besten Freundinnen reist Heather nach dem Uniabschluss quer durch Europa. Mit einem Touristenreiseführer und Hemingway in der Tasche klappern sie ihre Must-Sees ab. Bis Heather im Zug nach Amsterdam Jack kennenlernt. Jack reist nicht wie der übliche Tourist, sondern folgt den Stationen im alten Reisetagebuch seines Großvaters. Und er zeigt Heather stille, besondere Orte fernab der Touristenplätze, überrascht sie mit verrückten Aktionen und stellt ihre Reise komplett auf den Kopf. Heather ist total verliebt und träumt bereits von einer gemeinsamen Zukunft, als Jack plötzlich verschwindet.

Meine Gedanken

Seit langer Zeit war Liebe findet uns das erste Buch, das ich an seinem Erscheinungsdatum gekauft habe. Es wurde bereits im Voraus ziemlich gehypet und während ich ähnliche Phänomene normalerweise gekonnt ignoriere, war ich dieses Mal neugierig. Nicht zu leugnen ist da zum Einen das wunderschöne Cover, das förmlich zu leuchten scheint. Zum Anderen schien die Story genau die Art Lesestoff zu sein, die ich mir für den Sommer erhofft hatte: Eine Protagonistin in meinem Alter, Fernweh und Romantik – die perfekte Urlaubslektüre!

Heather hat mich direkt angesprochen: Sie ist perfekt durchorganisiert, liest gerne die Klassiker (auch wenn es ein Klischee ist), ist neugierig auf die Welt und noch nicht hundertprozentig bereit, in die Arbeitswelt einzutreten. Doch obwohl ich einige dieser Eigenschaften teile oder zumindest sehr gut nachvollziehen kann, konnte ich mich darüber hinaus nicht tiefer mit ihr identifizieren. Vielleicht, weil ihre Charakterisierung mit diesen oberflächlichen Punkten abgehakt scheint. Ähnlich blass blieb auch Jack: Er ist der gutaussehende Fremde, meist ein bisschen zu perfekt, was wohl durch einzelne Momente der Arroganz und Überheblichkeit ausgeglichen werden soll.

Blasse Figuren sind häufig ein Manko von Liebesromanen, deshalb erwarte ich meist schon nicht sehr viel und finde mich auch leicht damit ab, wenn die Story stimmt. Liebe findet uns liefert genau die richtige Portion Fernweh und Romantik: zwei junge Menschen, die sich zufällig im Zug begegnen, sich verlieben, gemeinsam Europa bereisen und dabei kleine romantisch-verrückte Abenteuer erleben. Diese Szenen sind eine klare Stärke des Romans. Wäre Monninger doch nur bei dieser Art von Wohlfühl-Urlaubs-Lektüre geblieben. Doch um die Geschichte spannender zu machen, oder ihr mehr Tiefe zu verleihen (ich weiß es nicht), fügte Monninger eine Prise Dramatik dazu. Leider haben die dramatischen Szenen für mich überhaupt nicht funktioniert. Jeder Streit der Protagonisten fühlte sich aufgesetzt und erzwungen an. Jack verschwindet so spät in der Geschichte, dass sein Geheimnis zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als offensichtlich ist und so ließ mich die Auflösung am Ende eher mit gemischten Gefühlen zurück.

Was mir wirklich gefehlt hat, sind Beschreibungen der Szenerie. Ich hätte mir gewünscht, dass mich das Buch mit auf Reisen nimmt, die verschiedenen Orte vor meinem inneren Auge mit all ihren Besonderheiten entstehen lässt. Zwar wird das ein oder andere Detail erwähnt, doch abgesehen von Namen und Fakten, die einem auch eine kurze Internetrecherche liefert, haben sich die Orte nicht wirklich unterschieden. Insgesamt ist der Roman sehr dialoglastig, die beiden Hauptfiguren reden sehr gerne, liefern sich öfter Mal einen Schlagabtausch, diskutieren, träumen, streiten. Die Dialoge sind zwar abwechslungsreich, aber nur eine bloße Aneinanderreihung wörtlicher Rede. Doch mit den Worten allein kann man wenig anfangen. Ich hätte gerne gewusst, wie die Figuren die Worte sagen, wie sie sich dabei bewegen – kurz: Wie sie sich während eines Streites oder auch einem ganz normalen Gespräch verhalten. Ich sage nicht, dass derartige Beschreibungen völlig gefehlt haben, aber doch in einem Maß, dass es mir unangenehm aufgefallen ist.

Meine Empfehlung

Ich wollte Liebe findet uns wirklich mögen, da der Roman alles versprach, was ich mir von einer Urlaubslektüre erhoffte. Doch ich habe einfach keinen tieferen Zugang zu Heather und Jack und ihrer gemeinsamen Geschichte gefunden. Um fair zu sein, sollte ich betonen, dass es mir generell eher schwer fällt, mich in andere, noch dazu fiktive Personen, hineinzuversetzen. Wem das leicht fällt, kann von Liebe findet uns sicher deutlich mehr mitnehmen als ich.


Verlag: Ullstein Verlag | ISBN: 978-3-548-28955-7 | Format: Paperback | Seitenzahl: 416 | Originaltitel: The Map That Leads to You | Quelle Coverbild: Webseite des Verlags | Webseite des Romans

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3 Kommentare zu „J.P. Monninger: Liebe findet uns

  1. Huhu :)

    Ich bin jetzt auch schon öfter an „Liebe findet uns“ in der Buchhandlung vorbeigeschlendert und war mir nie sicher, ob ich es kaufen sollte.
    So wie ich jetzt aber deine Rezension gelesen habe, bin ich der Meinung, dass es aber wohl auch nichts für mich sein wird, da ich viele deiner Kritikpunkte nachvollziehen kann.

    Liebe Grüße,

    Julia :)

    Gefällt 1 Person

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